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Münte goes Marx

Glosse
M?nte goes Marx


Vor der NRW-Wahl im Mai ?u?erte sich SPD-Chef Franz M?ntefering vor GenossInnen der Programmkommission seiner Partei emp?rt ?ber Finanzm?rkte und die Macht des Kapitals. Seinem Unmut ?ber die modernen Verh?ltnisse, der mittlerweile sogar im FAZ- Feuilleton zu finden ist, machte M?nte Luft, in dem er spekulative US-amerikanische Investmentfonds mit einer Heuschreckenplage verglich, die ?ber - vor allem deutsche - Unternehmen herfallen. Mehr W?hlerInnen hat dieses Man?ver effektiv nicht gebracht.


Kaum war dieses bilderreiche Gejammer heraus, schon stiegen Andere in die Pseudodebatte ?ber ?Kapitalismus? ein. Ex-Minister Clement (SPD) forderte einen ?modernen Patriotismus? statt Flucht deutscher Unternehmen ins Ausland. Die damalige Vizechefin der SozialdemokratInnen Ute Vogt meinte, KonsumentInnen sollten bei ihren Kaufentscheidungen ber?cksichtigen, ob die Unternehmen in Deutschland f?r Arbeitspl?tze sorgten oder nicht. Arbeitgeberpr?sident Dieter Hund fand die ganze Angelegenheit ?zum Kotzen?. M?ntefering sah die SPD als ?Schutzmacht der Anst?ndigen, der anst?ndigen Unternehmer und der anst?ndigen Arbeitnehmer?.
Anst?ndig oder nicht, die Argumentation ist falsch: Erst wird das raffgierige amerikanische Finanzkapital angeklagt und dann das deutsche, Arbeitsplatz schaffende Unternehmertum in die nationalistische Pflicht genommen. Dabei handeln Unternehmen nicht nach SPD-Moral, sondern maximieren ungehindert ihre Profite. Das k?nnen sie international tun, denn neoliberale Globalisierung ist nicht erst seit gestern Programm europ?ischer Regierungen.
Kritik an M?ntefering gab es noch aus anderer Richtung: Mit antij?discher Hetze der Nazis verglich der M?nchener Historiker Wolffsohn das Heuschreckenbild. Zwar liegt Wolffsohn richtig, dass der Vergleich von Finanzunternehmen mit gefr??igen Tieren einer Reihe problematischer - und vor allem falscher - Kritiken T?r und Tor ?ffnet. Doch hat M?ntefering noch nichts explizit Antisemitisches gesagt: Nur der erkennbare Bezug auf ein imaginiertes j?disches Wesen ist antisemitisch, auch wenn jede Steilvorlage problematisch genug ist.
Die Redaktion des IGM-Magazins ?metall? titelte ?US-Firmen in Deutschland ? Die Aussauger? und einer riesigen in stars and stripes gekleideten M?cke. Amerikanische ?raffende? Finanzinvestoren werden hierbei deutschen ?schaffenden? Unternehmen gegen?bergestellt. In dieser Gewerkschaftszeitung ist der Antiamerikanismus ausformuliert, der Antisemitismus angelegt.
Wer Kapitalismus kritisieren will, sollte das auf eine Weise tun, die keine Identifizierungsm?glichkeiten f?r Antiamerikanismus und Antisemitismus bietet. Die politische ?konomie muss als Ganzes begriffen werden, auch wenn mensch beim Bier dr?ber quatschen kann wie gemein doch Alle sind. Im Kapitalismus werden Ausbeutung, Herrschaft und Krisen nicht durch einzelne Willensakte, sondern durch sozio-?konomische Strukturen immer wieder hervorgebracht.
Es w?re sch?n, wenn eine Kritik an Massenentlassungen, hohen ManagerInnengeh?ltern und spekulativer Investitionspolitik in Forderungen nach Wertsch?pfungsabgaben und internationalen Gewerkschaften m?nden w?rden. Falsch aber ist ein Standortnationalismus, der deutschen Besch?ftigten gegen polnische ausspielt, denn beide sind schlie?lich in gleicher Weise davon abh?ngig, ausgebeutet zu werden.
Literaturtipp: Karl Marx, Das Kapital

[Ver?ffentlicht in tendenz Herbst 2005]
14.12.05 14:08





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